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Oracle und die Folgen: Situation bei MySQL schlägt weiter Wellen

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“Eigentlich sollte hier ein ganz anderer Beitrag kommen …” ist journalistisch gesehen ein ziemlich schwacher Einstieg in einen Artikel. Selbst wenn es die Wahrheit ist. Aber nachdem heute die linke Basis, sorry, ich meine die Free Software Foundation Europe (FSFE) ihren Senf zum aktuellen Übernahmegezerre Oracle/Sun/MySQL zum besten gab, Zitat:

Die Free Software Foundation Europe schlägt vor, dass Oracle MySQL in die Hände einer unabhängigen gemeinnützigen Organisation geben soll. Die Freie-Software-Gemeinschaft könnte dann das volle Entwicklungspotential von MySQL ausschöpfen, und Oracle müsste nicht mehr befürchten, dass ein Konkurrent das Datenbankprojekt übernimmt.

komme ich kaum umhin, das ganze kurz zu kommentieren. Meine erste Reaktion: “Nanu?” Klar, man kann sich den originalen Artikel von Karsten Gerloff durchlesen, in der Hoffnung, dass da in der Kette der Berichterstattung einfach nur etwas zuviel gekürzt und vereinfacht wurde. Scheint aber nicht so. Neben viel Blablub über das Für und Wider von Softwarepatenten und dem FSFE-obligatorischen Sie-sollten-mal-besser-die-GPLv3-nehmen, steht es da tatsächlich so und wurde es offiziell von der FSFE auch so übernommen: Oracle solle MySQL in eine unabhängige und gemeinnützige Organisation auslagern.

Ok, das muss nicht heißen, dass Oracle MySQL verschenken solle und ganz bestimmt auch nicht, dass sich die FSFE als Patentante anbieten würde. Nein, viel schlimmer und mich besonders auf die Palme bringend: Was hat das mit der aktuellen Situation zu tun? Genau – gar nichts. Vielmehr nutzt die Foundation den Rummel um Oracle/MySQL, um sich und ihre Ziele medienwirksam ins Gespräch zu bringen. Hat geklappt, bitte schön.

MySQL hilft das derweil nur wenig. Die Mitarbeiter werden im Unklaren gelassen und die eigentlichen Fragen bleiben unbeantwortet. Warum sieht sich Oracle nicht in der Lage, eine klare und deutliche Richtung vorzugeben? Klar, “we are not going to spin it of.” Aber warum wird kein umfassendes Konzept auf den Tisch gepackt (das dann auch die Entscheidung der Europäischen Union beeinflussen könnte)? Aktuell sieht es fast so aus, als ob Oracle sich mit Sun (MySQL ausgenommen) die Rosinen aus dem Kuchen gepickt hat und eigentlich selbst noch nicht weiß, was man eigentlich mit MySQL vorhaben könnte. Viel scheint MySQL Oracle also offensichtlich nicht wert zu sein. “Vielen Dank für die Geringschätzung”, wird sich der eine oder andere Mitarbeiter da wohl denken.

Klar, umsatztechnisch ist eine MySQL kein Vergleich zu einer IBM DB2, einer Oracle 11g oder sonst etwas und ganz bestimmt muss eine MySQL auch nicht das Mittel der Wahl sein, wenn es um Datenbanken für Webanwendungen geht (das sind, so nebenbei bemerkt, verschiedene Ligen) – unterm Strich haben wir hier aber ein funktionierendes Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern. Die man im Unklaren darüber lässt, was man eigentlich mit ihnen vorhat, die man fast als Sündenbock dastehen lässt, nach dem Motto “nur weil die EU die Sache mit Euch jetzt prüfen muss, verliert Sun monatlich 100 Millionen US-Dollar zusätzlich und unzählige Jobs”. Da wird MySQL doch wohl nicht nur ein billiges Mittel zum Zweck sein, das vorgeschoben wird, um die beginnende Konsolidierung mit Sun zu rechtfertigen?

eine Mitteilung to "Oracle und die Folgen: Situation bei MySQL schlägt weiter Wellen"

  1. Frank Oktober 27th, 2009 00:26 am Antworten

    Wer sagt denn, dass sie _kein_ Konzept vorgelegt haben? – Vielleicht “nur” eines dass der Kommission nicht gefällt?

    Öffentlich äußern dürfen sie sich über Details nicht (Kartellrecht is spaßig) und wer macht denn seine Konzepte und Masterpläne öffentlich? – Geschäftsgeheimnisse! Larry Ellison meinte jedenfalls er wolle mehr Geld als Sun in MySQL investieren… was immer das heißt.

    … Und auf die Dokumente, die sie der Kommission geschickt haben haben wir keine Einsicht …

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